Bericht von Pfr. Stipinovich – Oktober/November 2011

Ende September besuchte ich in Begleitung von Ingenieur Dieter Bugert unser Projekt. Nun ist es an der Zeit, wieder einmal allen Freunden und Förderer über den ak tuellen Zustand des Projektes zu informieren.

Ganz persönlich bitte ich um Nachsicht, dass aufgrund meiner mannigfaltigen anderen Tätigkeiten ich es nicht immer schaffe, regelmäßig Berichte zu schreiben und per E-Mail zu verschicken. Schon seit längerer Zeit ist eine eigene Homepage der Denner Stiftung in Planung, um über das Internet schneller und aktueller informieren zu können. Ich freue mich daher sehr, dass Sie ab sofort unter www.dennerstiftung.de einen allgemeinen Überblick über das Projekt bekommen wie auch regelmäßige Berichte, Bilder, Informationen etc.

 

1. Arbeit an/in der Kayova River Lodge

Eine ca. 1 Kilometer lange Mauer rund um das Gelände wurde gebaut. Alle hierfür benötigten Steine wurden selbst hergestellt. Dies bedeutete, dass wir ca. 30 Men schen aus der Region als Tagelöhner angestellt haben. Dieses Bauteam unter der Lei tung von Herrn Fourie hat ebenfalls die Wäscherei fertig gestellt, neue Laufwege zwi schen den Gebäuden gelegt und zwei alte, marode Gebäude niedergerissen. Ebenfalls wurde das Dach am Eingang des Lodgegeländes erneuert, nachdem Balken aufgrund von Termitenbefall zusammenkrachten. Das gleiche Problem von Termiten hatten wir in der Veranda am Konferenzgebäude Dies wurde ebenfalls behoben. Zur Zeit arbei tet eine Elektrofirma Ian Venter vor Ort, um den Zustand der Elektroleitungen, Ver teiler etc. auf den neuesten namibianischen Stand zu bringen. Dies wurde notwendig, nachdem die namibianische Tourist Board unsere Betriebserlaubnis bis zur Behebung aller Mängel entzogen hat. Neue Wasserboiler für die Zimmer sind auch installiert und eine Druckerhöhungsanlage, um den notwendigen Wasserdruck auf dem gesam ten Lodgegelände zu erzeugen. Ein kleiner Swimmingpool ist in der Nähe des Konfe renzgebäudes gebaut worden, wie auch ein Teil des Geländes für zukünftige Camper vorbereitet. Nun stehen weitere Arbeiten an um die Gästezimmer, die Küche, das Konferenzzentrum etc. so herzurichten, dass die Abnahme durch Tourist Board bis spätestens Juni erfolgen kann.

Die offizielle Einweihung von Kayova River Lodge ist für die 45. KW 2012 geplant.

2. Kindergärten

Für alle vier Kindergärten gilt, dass sie gut besucht sind und dass ich sehr zufrieden mit der Arbeit der Erzieherinnen bin. Alle Kinder erhalten zumindest eine warme Mahlzeit am Tag und wir haben einige neue pädagogische Mittel für die Kinder in die sem Jahr anschaffen können.
Der neueste Kindergarten, Katere, wird sehr gut angenommen. 75 Kinder besuchen diese Einrichtung und die beiden Erzieherinnen machen hervorragende Arbeit. In den nächsten Monaten wollen wir den großen Raum mit einer Trennwand ausstatten und alle Räume innen streichen. Anträge bei NORED (Stromversorger) um den Kindergar ten mit Strom zu versorgen sind gestellt und ein Bohrloch wird im November 2011 gedrillt. Sobald Strom und Bohrloch fertig gestellt sind, wird Katere mit Wasser und Strom versorgt sein. Ich wage keine Prognose, denn meine Erfahrung zeigt, dass die Mühlen in Namibia sehr sehr langsam mahlen!

Sankt Gertrud ist dringend renovierungsbedürftig (siehe Bilder). Ich schätze, dass wir ca. 10.000 € in die Hand nehmen müssen, um das Dach, einige Leitungen und ver schiedene Schönheitsreparaturen durchführen zu können. Während meines Besuches im September konnte der Rechtsstreit mit Pauline Mukoya durch Intervention der Councillor Hildegard Mangundu beigelegt werden. Frau Mukoya hat unterschrieben, dass St. Gertrud Strom vom Elektrotrafo, der neben ihrem Haus steht, beziehen darf. Dieser Trafo wurde ohnehin von Pfr. Denner bezahlt, aber leider in Frau Mukoyas Namen registriert. Auch die Wasserversorgung für St. Gertrund (Bohrloch bereits auf dem Grundstück) hing mit der Stromversorgung zusammen.

Auch der Kindergarten Shamba Shamba bedarf einer Renovierung. Hier sind die Re paraturen nicht drastisch. Fließendes Wasser wird realisiert, sobald NAMWATER die nötigen Anschlüsse gelegt hat. Dies ist schon längst von der Denner Foundation be zahlt. Auch hier hat Councillor Hildegard Mangundu versprochen, bei NAMWATER für uns ein zutreten, denn wir warten seit über einem Jahr auf diese Arbeit.

Der Kindergarten Macandu ist von allen vier Kindergärten am ärmsten dran. Das Dach ist vor einigen Monaten bei einem Sturm zerstört worden und der allgemeine Zu stand dieses Kindergartens lässt viel zu wünschen übrig. Da Macandu ca. 35 km von den anderen Projekten entfernt liegt, ist es oft schwierig, die nötige direkte Kommu nikation mit den Erzieherinnen und den Familien dort aufrecht zu erhalten. Auch hier gibt es weder Strom noch Wasser und uns fehlt die notwendige Finanzierung, um diese Missstände zu beheben. Einer meiner Kindertagesstätten in Viernheim, St. Mi chael, beginnt im November ein Partnerschaftsprojekt mit Macandu. Hier fließt nicht das große Geld und doch erhoffe ich, mit dem was hier gesammelt wird, das ein oder andere für die Kinder dort bewirken zu können.

3. Wasserprojekt

In enger Zusammenarbeit mit Ingenieur Dieter Bugert, unserem Manage Edmund Fourie und Wassermeister Herrn Makuschwe habe ich eine „Generalüberholung“ al ler Wasserprojekt beschlossen. Obwohl die Denner Foundation vier Bohrlöcher und ca. 25 Tanks wie auch zig Kilometer Wasserleitungen gebohrt, errichtet und gelegt hat, ist für mein Verständnis die Effizienz des bestehenden Systems keineswegs zu frieden stellend. Die Menschen, die an die Leitungen angeschlossen sind, erhalten unregelmäßig und spärlich Wasser. In diesen Wasserprojekten ist sehr viel Geld in vestiert worden, so dass sie definitiv besser funktionieren müssen. Deswegen haben wir nun Druckerhöhungsanlagen angeschafft und die Tanks nochmals erhöht. Dar über hinaus werden weitere zwei Bohrlöcher gebohrt, eins in Katere und eins auf dem Gelände des künftigen Aids-Waisendorfes in Nyangana. Das neue Bohrloch in Katere soll das Wasserprojekt Katere verbessern. Dieses Projekt, finanziert vom Ro tary Club Bad Vilbel, ist zwar abgeschlossen und bezieht Wasser von einem Bohrloch auf dem Lodgegelände (ca. 4 km entfernt) aber wird nur dann optimal funktionieren, wenn ein von der Stiftung finanziertes Bohrloch gedrillt wird und dies ist gerade in Arbeit. Das geplante Wasserprojekt Shitemo wurde nach Absprache mit Rotary um gewidmet und die Gelder fließen nun in das Wasserprojekt Nyangana.
Dies wurde notwendig, um auch das geplante Aids-Waisendorf, wie auch die umlie genden Gemeinden mit Wasser zu versorgen. Hier stehe ich in Kontakt mit Rotary Clubs Auas, der bereits seit der Zeit vor dem Tod von Pfr. Denner 250.000 namibiani sche Dollar für dieses Projekt auf deren Konto hat.
Die Arbeit an diesen Wasserprojekten geht Schritt für Schritt voran. Ich bin aber zu versichtlich, dass wir mit dem neuen System mit den Druckerhöhungsanlagen errei chen können, dass ALLE unsere Wassertanks permanent voll sind. Nur so wird ge währleistet, dass die Menschen sich auf unser Wasserprojekt verlassen können.

4. Aids Waisendorf

Am liebsten hätte ich schon Mitte diesen Jahres mit dem Bau begonnen! Und doch zeigt sich auch hier, dass in Afrika vieles einfach langsamer läuft! Die Finanzierungs zusagen für drei von den vier geplanten Häusern liegen mir vor. Die Baupläne und Entwicklungspläne für das gesamte Gelände sind ebenfalls gezeichnet und geneh migt. Um aber bauen zu können, ist es notwendig, Wasser und Strom auf diesem Gelände zu haben. Das erforderliche Bohrloch wird zur Zeit gebohrt und der Antrag bei NORED gestellt und bereits bezahlt. Sobald beide funktionieren (Strom und Was ser), können wir mit dem Bau beginnen. Ich hoffe, dass der Bau Anfang Februar 2012 beginnen kann.
Die weiteren Pläne, um Agrar- und Bildungsmöglichkeiten zu realisieren, sind durch die Unterstützung von Herrn Bockelmann und Kooperationspartnern ein großes Stück vorangekommen. Ein Container mit nützlichen und wertvollen Geräten soll noch in diesem Jahr verschifft werden.

Abschließende Bemerkungen:
Weiterhin bin ich zuversichtlich, hoffnungsvoll sowie sehr dankbar über die Arbeit und die Zukunft unseres Entwicklungsprojektes in Namibia. Es ist nur ehrlich, zu zugeben, dass mich manchmal der Frust packt, gerade wenn es um bürokratische Entscheidungen seitens der namibianischen Regierung, Wasser- oder Stromversorger geht. Wichtig ist auch zu bedenken, dass alles wir alles was wir dort bewirken und machen selbst tun. Wir engagieren keine Firmen, um zu bauen, sondern bilden not falls Menschen vor Ort aus, um diese Arbeiten zu tun. Wir kaufen keine Backsteine, sondern produzieren selbst. Wir lassen keine Leitungen verlegen, sondern bezahlen Tagelöhner, um dies zu machen. All dies bedeutet, dass vieles zwar langsamer geht und doch bin ich überzeugt, dass es der richtige Weg ist.

Die Tatsache, dass die Denner Stiftung (mit Tagesangestellten) 67 Menschen in dieser Region beschäftigt bedeutet, dass mindestens das 10fache an Personen durch Famili enverbünde von unserem Engagement und der Arbeit profitieren. Es gibt für diese Region Namibias keine schnellen Lösungen, nur die langsame, kontinuierliche und treue Arbeit mit den Menschen dort

Ich hoffe weiterhin auf die Unterstützung finanziell wie auch ideell.

Viernheim, Oktober 2011

Pfr. Angelo Stipinovich